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Interview mit Dominik Stelzig von everbill über Content Marketing

Interview mit Dominik Stelzig von everbill über Content Marketing.

everbill ist mir schon vor einiger Zeit mit ihrer Strategie aufgefallen, voll und ganz auf Content Marketing zu setzen. Das geht sogar so weit, dass das everbill Magazin, welches Wissen über Buchhaltung, Unternehmensgründung und rechtliche Themen, die KMU, Selbstständige und Start-Ups beschäftigen, vermittelt. Die eigentliche Buchhaltungssoftware everbill wird auf der Startseite nur nebenbei erwähnt. Ich habe mich daher mit Dominik Stelzig, dem Mann, der für das Marketing bei everbill verantwortlich ist, getroffen und mit ihm über Content Marketing und die Strategie von everbill befragt.

Happy Online Marketing: Seit wann gibt es everbill und seit wann bist du dabei?

Dominik Stelzig von EverbillDominik Stelzig: Everbill gibt es prinzipiell seit 2008. Damals noch unter dem Namen Epunet. Epunet wurde damals als firmeninterne Softwarelösung zur Online-Unternehmensverwaltung gegründet. Da das damalige Angebot am Markt einfach nicht unseren Anforderungen genügt hat, haben wir unsere eigene Software entwickelt und diese dann auch anderen Firmen zur Verfügung gestellt. Anschließend hat Epunet u. a. den Staatspreis Multimedia in der Kategorie eBusiness gewonnen.

Die Everbill-Gründer sind übrigens CEO Harald Trautsch, Robert Beisteiner, Michael Kunz und Gerald Aichholzer. Ich, Dominik Stelzig, bin seit 2014 an Bord.

Im Juli 2012 gingen wir im Zuge der „Go-Silicon-Valley“- Initiative der WKO nach Kalifornien, konnten einen namhaften USInvestor überzeugen und gründeten die Everbill Inc. in Mountain View und eine 100%-Tochter in Österreich.

Everbill ist eigentlich Buchhaltungssoftware, wenn man auf eure Website geht, fällt aber sofort auf, dass das everbill Magazin im Fokus steht und das eigentlich Produkt auf der Startseite nur am Rande erwähnt wird. Ihr betreibt Content Marketing also nicht nebenbei, sondern voll und ganz, habt mit dem Magazin sogar ein neues Produkt dafür geschaffen. Wie kam es dazu? Welche Gründe haben euch dazu bewogen?

Buchhaltung, Rechnung, Mahnung – schnarch! So lautet die Meinung der Firmenführer. Eine effiziente Firmenverwaltung ist gerade als EPU und KMU überlebenswichtig, wird aber ungefähr so gerne erledigt wie Besuche beim Zahnarzt. Das Ergebnis: Lücken – nur halt in der Buchhaltung, nicht im Zahn. Aber egal: Beides kostet einiges an Geld.

Das System soll der Firmenverwaltung im KMU und EPU-Bereich auf den Zahn fühlen. Effiziente Vorgänge, abgespeckte Prozesse und so viel Unterstützung, wie möglich. Das ist unser Credo. Das everbill Magazin hilft dabei:

Punktuell aufgeschlüsselt:

1.) Wir gewinnen auf diese Weise das Vertrauen der Leser und Kunden

2.) Können wir uns so als Experten am Markt etablieren und dieses nach außen kommunizieren

3.) Das Magazin fungiert als FAQ-Rubrik über Fragen, die uns – wie auch unsere Kunden –  seit Jahren begleiten.

4.) Bieten wir so einzigartigen Mehrwert für User, der absolut positiv aufgenommen wird.

Könntest du näher auf eure Strategie eingehen?

Strategie? Das ist zu einfach es ist ein teuflischer Schlachtplan, der selbst Machiavelli erblassen lassen würde. Nein, Blödsinn. Also: was bewegt das Land in Sachen Rechnungsstellung, Firmenverwaltung und Co.? Wir recherchieren eingehend und analysieren Suchanfragen in Google und Co. Die besten „Keywords“ und Themen kommen in den Ideenpool. Anschließend erörtern wir, welche Themen/Artikel am besten zu bestimmten Zielgruppen passen. Die Zugriffe, die Verweildauer und das Scolling-Verhalten werden nach bestimmten Kriterien analysiert und die Artikel dahingehend angepasst. So locken wir immer mehr auf unsere Seite und können die vorhin erwähnten Maßnahmen (Trustbuilding etc.) umsetzen.

Auf welche Marketingmaßnahmen habt ihr zuvor gesetzt?

Überwiegend: wöchentliches Blogging, Newsletter Marketing, Kooperationen und Direct Marketing.

Wie lange hat es gedauert bis ihr gemerkt habt, eure Strategie geht auf und ihr seid auf dem richtigen Weg?

Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg. Wir haben uns einen Namen gemacht – das everbill Magazin kennt man mittlerweile. Zugriffszahlen und Beliebtheit stimmen.  Aber – und so ehrlich möchte ich sein – wir möchten noch mehr User für das everbill Produkt, also das System, begeistern.

Gab es irgendwann einen totalen Anstieg oder ist es eher ein kontinuierliches Wachstum?

Das gute an SEO ist, dass, sofern man weiß, was man macht, einen stetigen Anstieg bei Zugriffszahlen erzielen kann. Hierzu muss der Content natürlich dementsprechend aufbereitet werden. Und das ist bei uns der Fall.

Wir erleben seit Gründung und Onlinegang einen steten Anstieg. Natürlich gibt es Durchhänger wie Weihnachten oder das bekannte Sommerloch, aber prinzipiell ist die Tendenz immer noch steigend.

Ich vermute mal euer Content wird vor allem dazu geschrieben, dass er über Google gefunden wird. Stimmt das und wieviel Prozent eures Traffics generiert ihr über die Suchmaschine

Ganz eindeutig: Ja und nein! Wir schreiben für Leser und bereiten bereiten den Text  für Suchmaschinen passend auf.

Ich sage immer: „das große Google-Geheimnis ist gelüftet“. Das ist wie am Spielplatz. Es gibt Regeln, an die musst du dich halten. Natürlich haben die Großen und Starken einen gewissen Vorteil, aber im Endeffekt bekommt jeder seine Chance am SEO-Klettergerüst. Keyword Dropping, plumpes Linkbuilding und Co. sind tot – so kommst du nicht voran. Wenn der Text das erfüllt, was er erfüllen soll, dann werden ihn die Leute lesen.

Natürlich müssen die technischen Vorrausetzungen stimmen: Technik (besonders die Ladezeit und der Code) sowie Content (Text und Bilder) müssen eine homogene Struktur haben und die gegebenen Vorrausetzungen erfüllen – dann steht dem Klettern eigentlich nichts mehr im Wege.

Dass das jetzt sehr verwirrend ist, ist klar. Auch ich habe als klassischer Texter und Werber angefangen. Mein Online Marketing Wissen musste ich mühsam selbst er- und anlernen. Besonders geholfen hat mir hierbei Franz Enzenhofer von fullstackoptimization.com (fullstackoptimization.com), bei dem wir Workshops für das everbill Magazin gebucht hatten.

Euren Content setzt ihr ja natürlich auch in Social Media, z.B. auf Facebook, Twitter und LinkedIn ein. Schreibt ihr dafür spezielle Artikel?

Es gibt natürlich Artikel, die auf den SM-Plattformen (Social Media – nicht das andere) besser ankommen. Ich denke hier an Artikel wie „lernen von Frank Underwood“ etc. aber auch diese Artikel ranken bei uns. Der gute Frank z. B. bringt uns monatlich mehrere Hundert Besucher.

Wie hoch ist der Traffic der über Social Media im Vergleich zur organischen Suche kommt? und welches ist euer erfolgreichster Social Media Kanal?

Fast 80 Prozent der (neuen) Zugriffe generieren wir über die Suchmaschinen. Es folgt Instagram, dann Twitter und dann erst Facebook.

Welche Rolle spielt der Newsletter in eurer Strategie?

Wir unterscheiden zwischen Systemnews, die an Kunden und Testkunden sowie unseren Magazin Newsletter.
Der Magazinnewsletter wird einmal in der Woche an alle rausgesendet. Hier finden Leser Hinweise zu unseren neuesten Artikeln und wichtigen Themen des Marktes.

Dann haben wir noch die Segments-Newsletter. Zu diesen kann man sich nur über spezielle Seiten im Magazin eintragen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Branchenseiten für Ärzte oder Fotografen. Die erhalten dann zielgruppenrelevanten Content – ebenfalls in bestimmten Abstand.

Promoted ihr euren Content in irgendeiner Weise mit Anzeigen (Facebook Ads etc.)?

Nein, derzeit nicht. Wir setzen auf eine organische Reichweite. Wenn wir Aktionen haben oder es wichtige Änderungen gibt, dann wird der Content über die sozialen Netzwerke beworben. Spezielle Neuerungen, wie die Registrierkasse von everbill, bewerben wir ebenfalls (Stichwort: Google AdWords)

Distribuiert ihr euren Content neben Social Media und Newsletter sonst noch in irgendeiner Form?

Gerade haben wir eine Kooperation mit dem Printmagazin e-Media beschlossen. Hier wird es einen Content-Austausch geben.

Wie entscheidet ihr welche Artikel ihr schreibt?

Siehe den Workflow von Frage 3. Unseren Redaktionsplan legen wir meistens 6-8 Wochen im Voraus fest.

Wie groß ist euer Content Marketing Team? bzw. wieviele Ressourcen fließen ins Content Marketing?

Drei Mitarbeiter schreiben, planen und analysieren. In unterschiedlichen JFs besprechen wir die Aufgaben und teilen diese untereinander auf.

Produziert ihr den ganzen Content intern oder habt ihr auch externe Zulieferer?

Wir schreiben selbst unsere Artikel. Aber wir sind immer interessiert an interessanten Interviews und Gastbeiträgen. Oberstes Kriterium hierbei ist der Mehrwert für unsere Leser. Erhalten wir einen Gastbeitrag, der zu werblich ist, publizieren wir diesen erst gar nicht.

Wie viel Traffic generiert ihr pro Monat und aus welchen Quellen setzt sich dieser zusammen?

Unsere generellen User- und Zugriffszahlen möchte ich nicht verraten. Über unsere Online Marketing Maßnahmen sind es aber ca. 35.000 monatliche Zugriffe.

Wie hoch ist die Conversion Rate bei euch? Und gibt es gravierende Unterschiede wenn die Leute über Google, über Social Media oder über bezahlte Anzeigen kommen?

Ich sage mal so: Man kann Dinge immer besser machen. An den nötigen Conversion-Baustellen arbeiten wir derzeit. Sehr zufrieden sind wir mit der Conversion Rate vom Testuser zum Bezahluser, diese liegt bei über 20 %. Die beste Conversion haben wir, wenn wir Ads schalten.

Setzt ihr neben Content Marketing noch auf andere Marketingmaßnahmen?

Derzeit nicht. Aber das war schon eine lustige Geschichte. Ich bin direkt aus der Werbung gekommen und habe mir gedacht, wenn jemand eine Buchhaltungssoftware bewerben kann, dann ich. Wir haben dann eine Werbeaktion durchgeführt, die vier Schritte umfasst hat.

Wir haben einen Einsparungsrechner programmiert, über den User Ihre Zeiteinsparungs-Potenziale durch everbill errechnen konnten. Wie viel Rechnungen schreiben die Betroffenen, wie lange brauchen Sie hierfür? – ich denke der Gedankengang ist klar.

Wir haben eine Fake-Rechnung erstellt. In dieser haben wir den Unternehmern „verlorenes“ Kapital aufgezeigt und ihnen dieses in Rechnung gestellt. Wir haben unzählige Adressen gesammelt und gekauft, haben aufgrund (damals) geringen Kapitals sowie Ressourcen unzählige Rechnungen in Umschläge verpackt und diese dann per Post versandt. (Meine Zunge war voller Schnitte  – heute schmecke ich förmlich noch das Blut auf meinen Lippen.)

Die, die Aktion verstanden haben, gelangten über einen Link zum Einsparungsrechner und später zu einer – 50 % everbill Aktion. Leider waren es viel zu wenige, welche die Scherzrechnung als diese erkannt haben, und so waren wir mehr mit Entschuldigungsschreiben beschäftigt als mit dem Ausstellen echter Rechnungen.

Das war schon ein Erlebnis. Kleiner Tipp deswegen: Kreativität ist erlaubt – aber bitte nicht, wenn es darum geht, irgendetwas bezahlen zu müssen. Da reagieren die Leute äußerst sensibel.

Ansonsten: Wie vorhin bereits erwähnt: Gerade haben wir eine Kooperation mit dem Printmagazin e-Media beschlossen. Hier wird es einen Content-Austausch, aber auch Gutscheine, die per QR-Code einlösbar sind.

Spielen auch Gastartikel eine Rolle in eurer Strategie?

Da es vor allem um den Mehrwert für Leser geht, müssen die Gastartikel bei uns bestimmte Kriterien erfüllen, um überhaupt infrage zu kommen und bei uns aufzuscheinen.

Wir werden ständig, darum gebeten, Content für fremde Seiten zu liefern. Und wenn es zu unserem Konzept passt, dann machen wir das auch gerne. Meine Kollegin Stephanie Fischer zum Beispiel schreibt über everbill bei unbounce.com/de.

Welcher Artikel war bisher euer erfolgreichster?

Wie man eine Rechnung storniert.

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Was Reverse Charge ist und ein Artikel über die Geringfügigkeitsgrenze

sind unsere Zugpferde, wenn man das so will. Bei den Zugriffszahlen rangieren die immer ganz weit oben.

Würdest du anderen Unternehmen empfehlen auf Content Marketing zu setzen?

Ja! Aber bitte nicht ohne Plan und Struktur. Es müssen stets genügend Ressourcen vorhanden sein und vor allem das nötige Know-how. Content Marketing ist eine kostengünstige – aber keinesfalls leichtfertig durchzuführende Marketingmaßnahme.

Außerdem bin ich der Meinung, dass der Permaregen an Information ganz zentrale Standards wie Objektivität und Wahrheit online förmlich wegspült. Das Web wird ob dieser sinnflutartigen Entwicklung überschwemmt von Halb- und Nichtwissen sowie Halb- und Nichtwissern.

Ich würde mir wirklich mehr „wahre“ Experten wünschen, die Interessierten fundamentales Wissen übermitteln können. Und das in einer Form, die diese verstehen. Und wer weiß, vielleicht sitzt in einem dunklen Kämmerchen ja schon ein Google-Entwickler und bastelt an einem Bullshit-Algorithmus, der gefährliches Halbwissen herausfiltert. Ob ich dann mit meinen Artikeln immer noch so ranken werde, würde sich dann aber erst noch zeigen müssen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin bei euren Online Marketing Aktivitäten!